BKW-Tarif «Sonne scheint»: Mogelpackung bremst die lokale Energiewende
Medienmitteilung
Bern, 20. August 2026 – Die BKW führt mit «Sonne scheint» erstmals einen dynamisierten Netznutzungstarif ein. Der Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE) begrüsst den Anreiz zur zeitvariablen Netzsteuerung grundsätzlich. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der angebliche «Rabatt» jedoch als erlösneutrale Tarifumschichtung – mit negativen Folgen für die Vermarktung echter Lokaler Elektrizitätsgemeinschaften (LEG).
Kein echter Rabatt, sondern Umverteilung
Entgegen dem Werbeversprechen senkt «Sonne scheint» nicht den Strompreis, sondern betrifft allein die Verschiebung des Arbeitspreises der Netznutzung. Der Tarif ist zudem erlösneutral ausgestaltet: Das Nachlass-Zeitfenster (April bis September, 13 bis 17 Uhr) wird durch höhere Tarife ausserhalb dieser Zeiten finanziert. Wer in diesem Fenster wenig Strom verbraucht, zahlt am Jahresende mehr. Es handelt sich somit nicht um einen Rabatt, sondern um eine interne Umverteilung mit versteckter Tariferhöhung für unflexible Haushalte.
Starre Wetterprognose statt echter Netzdynamik
Der BKW-Tarif orientiert sich an regionalen Wetterprognosen statt an der tatsächlichen, momentanen Netzauslastung. Dass eine echte Steuerung anders geht, beweist die Groupe E mit ihrem Tarif Vario+ bereits seit 2024: Ihr Modell ermittelt Netz- und Energiepreise dynamisch im 15-Minuten-Takt.
Verwechslungsgefahr bremst private Elektrizitätsgemeinschaften
In einer echten LEG erhalten Teilnehmende für lokal erzeugten und verbrauchten Strom einen gesetzlich verankerten, dauerhaften Netztarif-Abschlag von 40 oder 20 Prozent und profitieren von günstig produziertem, lokalem Solarstrom. Die BKW rückt ihren Tarif sprachlich in die Nähe einer LEG, ohne deren Kernelemente – die Bindung an lokal erzeugte Energie und einen echten Netznutzungsrabatt – zu übernehmen. Es bleibt zu klären, ob damit der Aufbau privater LEG-Strukturen erschwert werden soll, weil diese der BKW als Netzbetreiberin Geschäfte entziehen würden.
Dazu meint Lucia Grüter, Vorstandsmitglied VESE und Geschäftsleiterin einer Solargenossenschaft: «Die BKW verkauft eine reine Tarifumschichtung als grüne Vergünstigung. Das erschwert es uns massiv, der Bevölkerung den echten Nutzen einer Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft zu erklären – nicht weil unser Modell schlechter wäre, sondern weil es komplexer ist als ein Produkt mit dynamischem Netznutzungstarif, von dem man nicht sicher ist, ob man übers Jahr hinweg tatsächlich Kosten sparen kann.»
VESE fordert transparente Tarife und echte LEG-Unterstützung
VESE fordert die BKW und ihre Eigner auf, ihre Kommunikation an der tariflichen Wirklichkeit auszurichten. Statt Schein-Rabatte zu vermarkten, sollte die BKW selbst niedrigschwellige LEG-Angebote schaffen, wie es in Zürich mit dem ewz.solarquartier gemacht wird.
Parallel dazu sollte die BKW Hand bieten, innovative Modelle für PV-Produzenten, wie das VESE-Kapazitätsmodell, in ihrem Netzgebiet zu unterstützen und anzubieten.
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